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Beguinenhaus

   Die Hospitalkapelle St. Spiritus (Beguinenhaus) befindet sich auf dem Salzmarkt und lag im Mittelalter direkt am Sandauer Tor. Der rechteckige Backsteinbau mit seinen hohen gotischen Fensternischen stammt aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. 1390 wurde für die neue errichtete Kapelle durch Thidericus Kremer und seiner Ehefrau Elisabeth ein Altar, der dem Heiligen Geist und dem Apostel Andreas geweiht war, gestiftet. Im Zuge der Reformation 1539/42 wandelte sich das Hospital in ein sogenanntes Beguinenhaus. Den Stadtbrand von 1627, der durch den Beschuss der Dänen im 30-jährigen Krieg erfolgte,  überstand der massive Steinbau unbeschadet.
   Durch spätere Umbauten ist außen nur noch an der Seite zum Salzmarkt hin der ehemals kirchliche Charakter des Gebäudes erkennbar. Hier wechseln sich hohe spitzbogige Blenden mit fein profilierten gotischen Fenstern ab.
In der Archivolten des heute flachbogigen Portals befindet sich ein um 1401 entstandenes Sandsteinrelief.  Es zeigt die Geißelung und Kreuzigung Christis. Die Darstellung der Wunden Christi beinhaltet einen Hinweis auf das "Heilige Blut" von Wilsnack, das im Spätmittelalter Ziel einer massenhaften Wallfahrtsbewegung war.
Das Innere des Gebäudes ist heute durch Umbauten in zwei Stockwerke geteilt.

   Über mehrere Jahrhunderte diente die Kapelle als Gotteshaus des Beguinenhospitals. Beguinen (französisch béguin, béghin, béguinet, flämisch begyne) waren Bürgerwitwen oder -töchter, die sich in einer klosterähnlichen Gemeinschaft zusammenfanden; zur eigenen sozialen Versorgung und zu Werken christlicher Nächstenliebe. Sie beschäftigten sich hauptsächlich mit Krankenpflege, Gebet, Handarbeit und Leichenbesorgung.

   Im 19. Jahrhundert gingen die Pflichten der Beguinen zurück. Als Einrichtung zur Versorgung von Bürgerwitwen bestand das Beginenhaus noch bis zur Mitte unseres Jahrhunderts. Wann das Innere der alten Kapelle zu Wohnzwecken umgebaut wurde, läßt sich leider nicht sagen. Das Gebäude ist 1841 als sehr baufällig eingestuft worden. Das Erdgeschoß beherbergte in dieser Zeit eine große beheizbare Stube die etwa die Hälfte des Gebäudes einnahm. Im Treppenhaus war gleichzeitig die Küche mit einer Kammer und im Obergeschoß befanden sich sechs kleine Kammern. 1852 wurden die Stubenfenster mit Bleifassung repariert, 1855 eine neue Treppe eingebaut und wieder vier Jahre später die Dielung erneuert. Die Umbauten erfolgten in kleinen Schritten, bis schließlich 1885 eine separate Krankenstube im Erdgeschoß (links vom Eingang), drei beheizbare Stuben im Obergeschoß, ein neuer Schornstein und sechs Dachkammern entstanden. Das Gebäude wurde, nachdem 1952 die letzten Bewohnerinnen auszogen, seit 1960 als Büro für die Statistikbehörde des Kreises Havelberg genutzt. Seit der Instandsetzung von 1993 beheimatete es die Touristinformation der Stadt und im Anschluss das Bivon Havelberg. Seit dem 3. Oktober 2000 wird es einer neuen Nutzung zugeführt.

Wir danken für die Unterstützung der Hansestadt Havelberg
(Der Text muss überarbeitet werden)