Die Seejungfrau

Dr. Michael Schippan , Berlin

»Zar Peter der Große in Havelberg im November 1716«

Seit dem November 1996 informiert eine Tafel am Gebäude der ehemaligen Propstei des Domstifts, einem Teil des heutigen Kreiskrankenhauses Havelberg (Anm. der Red.: Die heutigen KMG-Kliniken Klinikum Havelberg), über die historische Begegnung des Zaren Peter I. von Rußland mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. vom 23. bis zum 28. November 1716, ein herausragendes Ereignis in der neueren Geschichte der Stadt[1].

In diesem Gebäude, der einstigen Propstei,
unterzeichneten
Zar Peter I. und König Friedrich Wilhelm I.
Am 27.November 1716 die
“Konvention von Havelberg“
Gastgeschenk:

200 “Lange Kerls“ für den Soldatenkönig

Zar Peter - Legenden und Überlieferungen

Kaum ein Besucher der Stadt ist so populär geworden wie Zar Peter der Große (1672- 1725) von Rußland. Im Ratskeller wird er Einwohnern und Besuchern der Stadt auf einem Wandgemälde gezeigt. Man bringt ihn mit dem Pferdemarkt in Verbindung. Legenden über ihn gelangten in Umlauf und fanden Eingang in die Heimatbücher. Auch wenn dabei mitunter Raum und Zeit arg durcheinander gerieten: Diese Geschichten enthalten oft einen realen Kern, da sie charakteristische Wesenszüge Peters wiedergeben, die man in Erfahrung gebracht hatte. Es ist kaum möglich, heute noch ihre Ursprünge zu ermitteln.  

So werden in der Legende von den „Knappen Tieden", einer einfachen Fischsuppe, die dem Zaren bei einem Besuch im<!-- PROTECTED: fa0347332ad34bfd8e7fc68764a6e9a8 --[2], gleich mehrere für Peter typische Züge sichtbar, die auch von seinen Besuchen in anderen Städten und Ortschaften bezeugt worden sind. Er verkehrte mit Vorliebe bei Stadtbürger, bei Handwerkern und Kaufleuten, Seefahrern und Matrosen, also bei Angehörigen der Mittel- und Unterschichten, und lehnte hingegen, wie auch der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688- 1740), das steife Hofzeremoniell seiner Zeit sowie das “Parlieren (Anm. der Red.:  sich unterhalten, Konversation betreiben)“ mit den aufgeblasenen Höflingen ab. Der Zar verstand und sprach ein holländisch-niederdeutsches Sprachgemisch, was ihn auf Reisen durch Norddeutschland und die Dolmetscher unter das Volk mischen zu können. Gerade in Havelberg gab er seinem Generalfeldzeugmeister Jacob Daniel Bruce (1670-1735), einem vielseitig gebildeten Staatsmann und Wissenschaftler schottischer Herkunft, den Auftrag, die erst 1712 erschienene "Nederduytsche spraakkonst" von Willem Sewel, eine holländische Grammatik, in russischer Sprache herauszugeben[3].

Schließlich bevorzugte Peter einfache Speisen, darunter kräftig gewürzte Eintopfgerichte (um den Wirkungen des reichlich genossenen Alkohols zu begegnen), wie zahlreiche Biographen berichten, die den „Magenfahrplan" des Zaren studiert hatten.
Mit dem Interesse des Zaren für die Schifffahrt war die Legende verbunden, daß Peter I. in Havelberg, wie es auch für die Niederlande verbürgt ist, als Schiffbauergeselle gearbeitet und eine sogenannte „Seejungfrau", die ehemals am Backhaus'schen Haus zu sehen gewesen war, eigenhändig aus Holz geschaffen habe.
 

 Alfred Zoellner, der Havelberger Chronist, führt das Jahr 1732 an, in dem sich dieses zugetragen haben soll. Dai war der Zar allerdings schon sieben Jahre tot. Nach einer Beschreibung der Figur bezieht sich Zoellner auf die Sage, wonach der Herrscher auf der Rückreise aus dem holländischen Saardam (Zaandam) im Giebelstübchen des alten Schifferkruges, der späteren Gastwirtschaft von Carl Wilhelm Backhaus ein bescheidenes Quartier bezogen und dort die Jungfrau geschnitzt habe. Das müsste dann also im Jahre 1698 gewesen sein. Freilich, so fährt Zoellner fort, wird „höchstwahrscheinlich irgendein gewöhnlicher Holzschnitzer unter den Schiffbauern dies seltsame Gebilde" verbrochen und der Wirt dem Gasthaus mit dieser Figur als Wirtshausschild „einen neuen. stattlichen fürstlichen Heiligen“ verschafft haben[4].
Doch auf der Rückreise aus England und Holland kam Peter I. mit seiner „Großen Gesandtschaft'' im Jahre 1698 nicht durch Havelberg. Seine Route führte ihn im Herzogtum Magdeburg über Halberstadt und Aschersleben in die preußische Exklave Halle, wo er Gast des Kanzlers des Herzogtums Magdeburg, Nikolaus Bartholomäus von Danckelmann (* 25. Mai 1650 in Lingen - † 27. Oktober 1739 in Lodersleben), war und die Franckeschen Stiftungen in ihrer Gründungsphase besichtigen konnte, über Leipzig, Wurzen, Oschatz, Meißen nach Dresden, und einige Tage später zur Festung Königstein und in Richtung Prag[5]
Doch auch in der Legende von der Seejungfrau ist ein realer Kern enthalten. Zar Peter I. der vierzehn Handwerke beherrscht haben soll, hinterließ an vielen Orten Zeugnisse seiner Fertigkeiten, ob es sich um Drechselarbeiten in Holz oder Elfenbein, selbstgezimmerte Schiffe oder Werkbänke handelte. Wenn auch die Havelberger Schiffswerft, auf der die Überseeschiffe für den Verkehr mit den kurbrandenburgischen Kolonialgebieten in Afrika gebaut worden waren, seit 1702 nicht mehr existierte, so kann man sich doch vorstellen, daß sich der Zar während seines Aufenthaltes in Havelberg für eine gewisse Zeit von den diplomatischen Verhandlungen frei machte und die Gassen durchstreifte, wie er das von seinen Besuchen in anderen deutschen Städten her gewohnt war.
Während sich die Vorfahren Peters I. auf dem Zarenthron zumeist in Moskau aufhielten und die Stadt allenfalls zu einer Wallfahrt oder einer Falkenjagd verließen, der Vater des Reformzaren sich auch zur Armee begab, reiste der durch die gleichnamige Oper Albert Lortzing bekannt gewordene „Zar und Zimmermann" als erster russischer Herrscher durch europäische Länder. Er zeigte sich dort überaus wißbegierig, wollte überall mit Hand anlegen und auf diese Weise seinen Untertanen sowie der europäischen Öffentlichkeit demonstrieren, daß sich der „Herrscher aller Reussen" unter die „ Lernenden" begeben habe. „Ich bin im Stande des Lernenden und suche Lehrende" hieß es auf dem Siegel, das anläßlich der Reise der Großen Gesellschaft 1697/98 in deutsche Territorien, in die Niederlanden und nach Großbritannien, enteworfen worden war. Peter suchte oft sein lncognito zu wahren, was aber nur selten gelang: Mit einer Körpergröße von mehr als zwei Meiern überragte er die meisten seiner Zeitgenossen. Mitunter verfiel er aus der Rolle des einfachen Matrosen und „Bombardiers Peter Michajlov" unvermittelt wieder in seine wahre Würde als Beherrscher des euro-asiatischen Riesenreiches, was seinen Gastgebern den Umgang mit ihm nicht gerade erleichterte

Zur Bewertung Peters I. als historische Persönlichkeit

Schon zu Lebzeiten wurde dieser „Werkmann auf dem Throne" (A. S. Puškin) im Zarenreich wie in den übrigen europäischen Ländern als herausragender Reformator gelobt, mit den Beinamen „Peter der Große" und „Vater des Vaterlandes“ geschmückt[6]. Allerdings beginnt sich seit einigen Jahren in Rußland selbst das Geschichtsbild über Peter zu wandeln, wenn auch nur bei einigen Vertretern der jüngeren Historikergeneration. Diese sehen ihn nunmehr als einen Despoten, der durch seine ausschließliche Orientierung auf das „Staatswohl" und die Rücksichtslosigkeit im Vorgehen gegen gesellschaftliche Kräfte, die auf Freiräumen beharrten, durch die Einführung von Institutionen des Terrors (wie des Preobraženskij prikaz und anderer Geheimkanzleien) und des Denunziantentums, eines „regulierten bürokratischen Polizeistaates", zu einem Wegbereiter des „Totalitarismus" geworden sei[7]. In einer Zeit, da man auch in Rußland über die waren Ausmaße des Stalinschen Terrors zu diskutieren begann bot sich die Gestalt Peters für historische Vergleiche an. Die in der bisherigen Geschichtsschreibung vorhandene Neigung zu einer isolierten Betrachtung der russischen Geschichte überwindend, verglich A. N. Meduševskij die petrinischen Umgestaltungen als nachholende Reformen mit dem Ziel einer “Modernisierung“ und „Verwestlichung" des Landes, mit Reformen in anderen Ländern, so in Preußen ( ach 1713) und sogar in Ägypten, im Osmanischen Reich und in Japan im 19. Jahrhundert[8]. Schließlich ist auch zu berücksichtigen, daß nach der Auflösung der Sowjetunion in deren ehemaligen Unionsrepubliken Versuche einer Revision des Geschichtsbildes einsetzten. In der Ukraine wird Zar Peter I. als Vernichter der freien Kosakengemeinschaften und des Hetmanamtes (Kosaken-Herrschaft unter Mezepas (1687 - 1708)wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit) zumeist eher negativ bewertet[9].
Gleichwohl ist vor Extremen bei der Einschätzung der Leistungen des Zaren zu warnen: Weder die „panegyrisch (Dieser Begriff entstammt dem Altgriechischen (Attischen) und bedeutet ursprünglich „festlich“ – πανηγυρικός ''(panēgyrikós).'' Die volle Form war – eine Lobrede auf einem Fest, Festrede. Das Wort oder Rede, ist später weggefallen, sodass „panegyrisch“ für sich allein stehend)" zu nennende vorrevolutionäre und die sowjetische Geschichtsschreibung, die den Zaren als Lichtgestalt, die Rußland aus dem Dunkel herausgeführt habe, als Gründer eines machtvollen Imperiums und Reformer priesen[10], noch seine “Verteufelung“ als grausamer, seinen eigenen Sohn zum Tode verdammender Tyrann, wie sie in den westlich von Rußland gelegenen Ländern schon eine lange Tradition besaß, können dieser historischen Persönlichkeit gerecht werden.
Um Rußland an der europäischen Entwicklung im vollen Umfang teilhaben zu lassen. Begann Peter im Jahre 1700 mit dem Angriff auf die schwedischen Besitzungen an der Ostsee, die seit dem 17. Jahrhundert das russische Binnenland vom Meer abschnitten. Der bis 1721 währende Nordische Krieg war eröffnet worden, in dessen Verlauf eine zunächst aus Rußland, Dänemark und Sachsen-Polen bestehende Koalition gegen die Schweden focht. Bald zeigte es sich, daß der Zar seinen Gegner, den jungen, ungestümen Schwedenkönig Karl XII. (1682- 1718), unterschätzt hatte. Die russischen Truppen erlitten herbe Niederlagen, ehe sich nach einem verhängnisvollen Vorstoß Karls in die Ukraine in der Schlacht bei Poltava 1709 das Blatt wendete. Die Schweden wurden geschlagen und die meisten der Überlebenden gefangengenommen. Dem flüchtenden Karl XII. gelang es nur mit einigen hundert Getreuen, sich nach einer dramatischen Flucht über den Dnepr unter den Schutz des Sultans des Osmanischen Reiches zu begeben.
Um in den Auseinandersetzungen mit dem mächtigen Kriegsgegner Schweden und anderen potentiellen Kontrahenten in Europa standhalten zu können, war Peter I. zu Reformen autf allen gesellschaftlichen Ebenen gezwungen. Er schuf, nach Anfängen der Gründung regulärer Einheiten im 17. Jahrhundert, ein mächtiges stehendes Heer, sowie eine Kriegsflotte als eine für russische Verhältnisse völlig neue Erscheinung. Nachdem 1705/06 erstmals russische Truppenverbände in Mitteldeutschland eingerückt waren, standen zwischen 1711 und 1717 nahezu ununterbrochen Zarentruppen in Mecklenburg und in Vorpommern, die dem Lande zur Last fielen, jedoch auch wegen der exotisch anmutenden Gebräuche Interesse erweckten. Für die Versorgung der Armee wurden Erze in den neuen Bergwerken in Zentralrußland, im Ural und im Onegagebiet ausgebeutet, Manufakturen gegründet und der Handel mitwesteuropäischen Staaten wesentlich erweitert. Der Zar förderte die angewandten Wissenschaften und gründete schließlich 1724/25 die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften. Spekulative Philosophie und Theologie waren hingegen weniger seine Stärken, die lateinische und die französische Sprache blieben ihm weitgehend verschlossen, so daß er auch nicht alles verstehen konnte, was der in russische Dienste getretene deutsche Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716) alles verkündete, mit dem er mehrfach zusammentraf.
Ob man eher wie Evgenij Viktorovič Anisimov in einer seit dem 17. Jahrhundert schwelenden „Krise" in der Ökonomie, im Militär-, Finanz.- und Verwaltungsapparat, die entscheidende Ursache für die petrinischen Umgestaltungen sieht[11] oder die Krisensituation durch den Angriff auf Narva () im Jahre 1700 mehr als von Peter „selbst geschaffen" und den militärischen Faktor als entscheidend für das Einleiten von Reformen betrachtet[12], - jedenfalls überblickte der Monarch alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und griff durch zahllose Gesetze regulierend ein. Er war von dem Glauben an die Allmacht des Staates und des Gesetzes erfaßt[13], traute seinem Volk keinerlei Initiative zu und versuchte durch Zwangsanwendung und pädagogische Ermahnungen, aber auch durch den Verweis auf das europäische Beispiel. seine Untertanen zur Teilnahme an den Umgestaltungen zu bewegen. Peter I. verfügte über das Talent, fähige Helfer aus allen Schichten des in sich überaus differenzierten Adels auszuwählen sowie Nichtadlige und Ausländer für sein Reformwerk heranzuziehen.

Die Notwendigkeit einer erneuten Begegnung des russischen und des preußischen Herrschers im Herbst 1716

Im Jahre 1716 war die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Ostseeraum zwischen Schweden mit seinem kriegerischen König Karl XII. auf der einen und der aus Rußland, Sachsen-Polen, Dänemark sowie seit 1715 zusätzlich aus England-Hannover und Preußen bestehenden Koalition auf der anderen Seite an einem Wendepunkt angelangt. In einem dauerte der Krieg bereits nahezu sechzehn Jahre, und man wollte nun eine Entscheidung herbeizwingen. 1716 sollte sich aber das Zarenreich - nicht ohne eigenes schuldhartes Handeln des Zaren - in einer „ersten mächtepolitischen Krise''[14] befinden. Rußland und Schweden hatten sich bereits 1714 durch einen Garantievertrag über die gegenseitigen Erwerbungen und die Besetzung von Stettin verbunden, das 1713 von russischen Truppen unter Führung des Fürsten A. D. Menšikov (1672 - 1729), des analphabetischen Intimfreunds Peters I., den Schweden entrissen und Preußen in Sequester übergeben worden war.
Stralsund als wichtigste schwedische Festung in Vorpommern hatte sich 1715 den Verbündeten ergeben müssen. Karl XII., der in einem Eilritt aus dem türkischen Exil zurückgekehrt war, musste sich fluchtartig nach Schweden zurückziehen. Im Jahre 1716 sahen die Verbündeten eine Landungsoperation im schwedischen Schonen vor. Der Krieg sollte in das Kernland der schwedischen Monarchie getragen werden. Die russischen Truppen hatten dabei die Hauptlast des Unternehmens zu tragen. 50000 Mann der zarischen Armee marschierten in Mecklenburg ein. Im April 1716 verheiratete Zar Peter I. in Danzig die Carevna Katharina Ivanovna (1692 - 1733), eine Tochter seines schwachsinnigen Bruders Ivan (1666 - 1696), an den Herzog Karl Leopold von Mecklenburg-Schwerin (1679 - 1747). In seiner Hoffnung, als Reichsstand im Heiligen Römischen Reich Fuß fassen zu können, maß Peter I. dem mecklenburgischen Heirats-Projekt eine besondere Bedeutung bei. Der Zar dachte zwar nicht an eine dauerhafte Eroberung, jedoch war ihm Mecklenburg als Stützpunkt für weitere Operationen willkommen[15]. Der Mecklenburger Herzog nutzte die Anwesenheit russischer Truppen in Norddeutschland für sein Vorhaben aus, die rebellischen Landstände in seinem Territorium zu unterwerfen.[16]
Nun regte sich aber Widerstand im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Kaiser Karl VI. (1685 - 1740), selbst verwickelt in eine schwere kriegerische Auseinandersetzung mit dem Osmanischen Reich[17], forderte die Russen mehrfach auf, Norddeutschland zu räumen. Man befürchtete allenthalben, daß der Zar versuchen könnte, durch die mecklenburgische Heirat dauerhaft in deutschen Territorien sesshaft zu werden. Das Landungsunternehmen der Verbündeten in Schonen schlug fehl, nicht zuletzt deshalb, weil die Schweden an ihrer Küste inzwischen wirksame Sicherungsmaßnahmen ergriffen hatten[18]. Die Spannungen zwischen den Verbündeten der antischwedischen Koalition nahmen zu. In Kopenhagen verbreitete sich das Gerücht, der Zar wollte sich der dänischen Hauptstadt mit Waffengewalt bemächtigen. Die hannoveranische Diplomatie unter dem Grafen Andreas Gottlieb von Bernstorff (1680- 1720), der Güter in Mecklenburg besaß und sich somit auch die Interessen des mecklenburgischen Adels zu eigen machte, begann kräftig gegen den mächtig gewordenen Zaren zu intrigieren. Peter suchte sich nach den verbliebenen Verbündeten um - und befand nur noch den Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. als verlässlichen Partner. Dieser musste nun allerdings durch Garantieversprechen fest an die: russischen Interessen gekettet werden. Dies konnte am besten durch ein erneutes persönliches Treffen der beiden Monarchen geschehen, denn der “Soldatenkönig“· hatte sich bereits mehrfach von der kraftvollen Person des Zaren beeindruckt gezeigt.
Am 2.(13.) Oktober 1716 rief Peter I., der noch in Kopenhagen weilte, den Diplomaten Freiherr Friedrich Ernst von Knyphausen (1678 - 1731), seit 1711 preußischer Gesandter in Dänemark und später in Paris, zu sich und betonte während der Audienz die guten Beziehungen Rußlands mit Preußen. Der Zar ~äußerte die Hoffnung, daß sich der Preußenkönig nicht den Einflüsterungen der Gegner Rußlands ergäbt, die vor allem vom hannoveranischen Hof ausgingen[19]. Am 20. Oktober 1716 schlug Peter einen Ort für ein Treffen mit dem Preußenkönig vor, der an seinem Reisewege liegen sollte, am „Einfluss der Spree in die Elbe". Dieser geographische Fehler wurde zum Teil auch in die wissenschaftliche Literatur übernommen[20]. Aus Berlin wurden „sofort Küche und Keller dahin gesandt.[21]", damit standesgemäße Bewirtung in Havelberg garantiert war. Der russische Monarch, der sich in Schwerin bei seinem neuen Verwandten, dem Herzog von Mecklenburg-Schwerin, aufgehalten hatte, reiste über Perleberg nach Havelberg. Die mecklenburgische Ritterschart musste 50 Wagen und 450 Pferde für den Zaren und seine Begleitung stellen[22]. Das zu jener Zeit repräsentative Werk „Theatrum Europäum" berichtete: über den Zaren: „… und brach den 21. November von Schwerin auf gen Havelberg, allwo er den König von Preußen fand, und sich mit selbigen den 24. und 25. Dito besprach.“[23]

Das Treffen von Havelberg

Vom 23. bis 28. November 1716 waren in Havelberg die Vertreter von sieben Staaten versammelt: außer dem russischen und preußischen Monarchen mit ihrem Gefolge noch die Gesandten Sachsen-Polens, Dänemarks, Englands und Hannovers (die zwar seit 1714 in Personalunion miteinander verbunden waren, doch schickten die Regierungen in London und in Hannover gesonderte Vertreter) sowie der Herzog Karl Leopold von Mecklenburg-Schwerin. Es handelte sich somit um ein Ereignis von europäischer Bedeutung!
Die Minister des Preußenkönigs, die als Experten die Verhandlungen führen sollten, waren bereits eher nach Havelberg gereist: der erfahrene und misstrauische Minister für das Auswärtige, Graf Heinrich Rüdiger von Ilgen (1654 - 1728) - keinesfalls ein warmer Befürworter eines Bündnisses mit Rußland! -, der älteste Geheime Rat von Dönhoff sowie der Ober-Hofmarschall Freiherr Marquard Ludwig Freiherr von Printzen (1675 - 1725), der 1698 kurzzeitig Amtshauptmann von Sandau, Derben und Ferchland gewesen war. Printzen hatte 1698 bis 1701 in Moskau als preußischer Gesandter geweilt und kannte somi den Zaren schon gut. In der Begleitung des Königs, der später eintraf, befanden sich dann die Generalmajore von Gersdorff und von Löben sowie der Oberst von der Marwitz. Dänemark war durch den Generalmajor von Meyer vertreten, Sachsen-Polen durch Ernst Christoph Baron von Manteuffel (1676 - 1749). „Der englische Gesandte Whitworth ist nicht, wie: jüngst verlauten wollen, mit nach Havelberg gegangen, sondern es sollen 2 Ministri von Hannover dem Berichte nach daselbst eingetroffen seyn"[24], das waren die Räte von Spoereke und Heusch.
Über die Begegnung von Havelberg haben sich nicht viele Augenzeugenberichte erhalten. Aufzeichnungen eines Havelbergers sind noch nicht aufgefunden worden, wieviel würden wir für solch eine Quelle geben! Der sächsisch-polnische Gesandte Ernst Christoph Baron von Manteuffel, der seinem Minister Jakob Heinrich von Flemming über das Treffen von Havelberg Meldung erstattete[25], wusste auch nicht viel mitzuteilen: „Als er kam, fand er beide Monarchen ziemlich angetrunken bei Tafel, und es war keine Möglichkeit. ernste Dinge zu besprechen.[26]"  Die seit 1887 unternommene Ausgabe der Briefe und Schriften Peters l. erfaßt erst die Zeit bis zur ersten Hälfte des Jahres 1713. so daß die Aufzeichnungen über das Jahr 1716 noch nicht editiert worden sind.[27]
Eine anschauliche Schilderung der Zarenbesuche in Brandenburg-Preußen, mit liebevollen Beschreibungen der Gastgeschenke, lieferte der Berliner Archivar und Numismatiker Bernhard Kühne (1817 - 1887); für die politischen Hintergründe hatte er jedoch wenig Sinn entwickelt.[28] Vieles spielte sich „unter vier Augen" zwischen dem russischen und dem preußischen Herrscher ab. Eine recht instruktive Quelle, die Auskunft über das Havelberger Treffen geben kann, sind die handgeschriebenen „Zeitungen“, die der wohlinformierte Korrespondent Franz Herrmann Ortgies (geh. 1667) wöchentlich an seinen Dienstherren, den Fürsten Georg Albrecht von Ostfriesland, nach Aurich sandte.[29]
„So viel man von Havelberg hat vernommen, seyn Se. Czaarische Majestät Montags den 23ten daselbst arrivieret (aus dem fr. ankommen), und der König des Abends vorher, welcher in eines Domherrn Hofe das Quartier genommen, der Czaar aber in der Dechanthey, und in der Propstey haben beide hohe Häupter nebst allerseits hohen Ministern die Conferentzien gehalten."[30]  Zu jener Zeit existierte in Havelberg noch ein Domkapitel als Institution zur Versorgung von Angehörigen des kurmärkischen Adels. Der Dechant, in dessen Wohnung sich der Zar einquartierte, halle sich um den Gottesdienst des evangelischen Domkapitels zu kümmern. Seit dem 3. Oktober 1701 war Johann Adolph von Hagen, der Sohn des Domdechanten in Magdeburg, Dechant des Havelberger Kapitels. Der Dompropst, bis zum 16. Jahrhundert der Vertreter des Bischofs, nun mehr Administrator, war 1715 bei der Belagerung Stralsunds durch preußische Truppen erkrankt: der 1712 zum Dompropst gewählte Paul Anton von Kameke (1674 - 1717) konnte auf dem Havelberger Treffen nicht mehr in Erscheinung treten.[31] Am 27. November traf auch noch der Herzog Karl Leopold von Mecklenburg-Schwerin in Havelberg ein und besprach sich mit dem Preußenkönig, bei dessen Abreise am darauffolgenden Tag er auch zugegen war. Der unstete Herzog wollte sich die Unterstützung der beiden Monarchen sichern, denen er wohl persönlich nicht sympathisch war, die ihn aber zu jener Zeit aus pragmatischen mächtepolitischen Gründen stützten.

Die Konvention von Havelberg

Am letzten Tag der Begegnung zwischen den beiden Herrschern wurde die sogenannte „Konvention von Havelberg" abgeschlossen, die aus zwei Deklarationen bestand.[32] Die erste richtete sich gegen jene nordischen Alliierten der antischwedischen Koalition, die ihren Bündnisverpflichtungen untreu werden und ein Separatabkommen mit Schweden eingehen sollten. Rußland und Preußen garantierten sich die in den zurückliegenden Jahren eroberten Gebiete: Sollte versucht werden, Preußen das neu gewonnene Stettin und Vorpommern (bis zur Peene) wieder abzunehmen, würde Rußland dem mit Schweden paktierenden Angreifer militärische Schläge zufügen, bzw. Diversionen in dessen Ländern unternehmen.
Friedrich Wilhelm I. wollte seinerseits den Zaren unterstützen, wenn versucht werden sollte, die 1710 von russischen Truppen eroberten, ehemals schwedischen Ostseeprovinzen zu besetzen. Eine Vorbehaltsklausel sicherte die Rechte treu bleibender Alliierter, was als Einschränkung der preußischen Zusage, Ansprüche des Zaren auf Livland zu unterstützen, verstanden werden musste. Livland war ursprünglich ein polnisches Lehen, das dann schwedisch wurde, auf das August II. von Polen aber Ansprüche zu erheben glaubte. August der Starke von Sachsen-Polen wurde in jenem Jahre 1716 selbst von den Truppen einer gegen ihn gebildeten polnischen Konföderation, einer entsprechend der polnischen Verfassung legalen Adelsverschwörung gegen die Krone, bedrängt. Seine Versuche zur Errichtung des Absolutismus im Wahlkönigtum Polen scheiterten. Zar Peter I. zögerte nicht, die Konföderierten gegen August den Starken, seinen bisherigen Verbündeten zu unterstützen, um im benachbarten Polen keine starke Monarchie aufkommen zu lassen. Skrupellos nutzte er die Schwächung des Königs aus, um russische Truppen in Polen einmarschieren zu lassen, die sich im Verlauf des gesamten 18. Jahrhunderts immer wieder in die inneren Angelegenheiten der Adelsrepublik einmischen sollten.[33] Nach dem 1721 in Nystad geschlossenen Frieden Rußlands mit Schweden verblieb allerdings Livland in russischem Besitz. Das Verhältnis zwischen Peter I. und August II. von Polen sollte sich in jenem Jahr 1721 so abkühlen, daß Peter I. gegenüber dem preußischen Gesandten Gustav von Mardefeld (1664 - 1729) sogar seine Absicht bekundete, nach dem Tode Augusts II. dem französischen Herzog von Chartres den polnischen Thron anzutragen![34]
Gemäß der Deklaration von Havelberg sollte die 1716 von den Verbündeten eroberte Festung Wismar geschleift werden, auf die auch der Herzog von Mecklenburg-Schwerin Ansprüche erhob. Dies unterblieb jedoch. Wismar war von den verbündeten Dänen und Sachsen erobert worden, ohne daß den herbeieilenden russischen Truppen gestattet worden wäre, an den Einzug teilzunehmen. Wismar sollte noch bis 1803 zum schwedischen Reich gehören, danach kam es pfandweise und 1903 endgültig an Mecklenburg. In der zweiten Deklaration sicherte der Zar dem Preußenkönig, wie schon zuvor, seine Unterstützung beim Erwerb von Elbing (Elblag) zu. 1718 bekannten sich Preußen und Rußland noch einmal zu der Konvention von Havelberg. Im Falle einer militärischen Auseinandersetzung solle Preußen dem Zaren mit 60 Eskadronen Reiterei und 42 Bataillonen Infanterie, der Zar dem Preußenkönig mit 100 Eskadronen Kavallerie und 35 bis 40 Bataillonen Infanterie beistehen. Diese wechselseitige Verpflichtung brauchte in der Folgezeit aber nicht mehr eingelöst zu werden.[35]
Die Havelberger Konventionen zeigten das Misstrauen der beiden verbündeten Monarchen gegenüber ihren bisherigen Koalitionspartnern. Zur Zeit ihrer Unterzeichnung wurden bereits von mehreren Seiten Versuche zur baldigen Herstellung eines Friedens mit Schweden unternommen. Von dem russischen und dem preußischen Monarchen aber gingen in Havelberg „Versicherungen von einer beständigen und unzertrennlichen Freundschaft"[36] aus. Peter l. habe erklärt: „Bruder Friedrich, wir wollen beyde in einen immerwährenden Verständnis und Harmonie bleiben.“ Friedrich Wilhelm I. entgegnete, daß er „solches feste versprechen könnte; waß aver unsere Jungens nach unserm Tode thun werden, solches müßen wir sodann geschehen laßen", in jenen Wochen, in denen das Treffen von Havelberg stattfand, erfuhr der Zar von der Flucht seines Sohnes, Thronfolgers Aleksej Petrovič (1690 - 1718), an den Hof des Kaisers Karl VI. in Wien. Während Peter I. in ihm einen Drückeberger sah, der sich dem anstrengenden Dienst am Staate und in der Armee entziehen wollte, richtete sich die Hoffnung aller mit dem strengen Regime des Zaren Unzufriedenen auf den Zarensohn, der den Krieg beenden und die russische Hauptstadt aus dem sumpfigen St. Petersburg wieder nach Moskau verlegen wollte. Aleksej, einer der „beiden Jungs“, von denen in dem Bericht über das Havelberger Treffen die Rede war, sollte 1718, zwei Jahre später, an den Folgen der gegen ihn angewandten Folter sterben. Im Jahre 1730, .entging Friedrich, der andere Thronfolger, der wegen Fahnenfluchts ebenfalls zum Tode verurteilt werden sollte, nur knapp diesem Schicks.
König Friedrich ll. sollte sich später, im Jahre 1776, noch ausführlicher über die Treffen seines Vaters und seines Großvaters mit Zar Peter, so auch über die Zusammenkunft von Havelberg 1716, informieren. Johann Daniel Kluge, Archivar und Sekretär in der Geheimkanzlei des Königs, stellte aus dem Archiv Material über die Begegnungen zwischen den Herrschern in den Jahren 1697, 1709, 1711, 1712, 1713 , 1716 und 1717 zusammen.[37]

Das Havelberger Reiterbildnis Peters I.

In Havelberg begann der Hofmaler Antoine Pesne (1683 - 1757) ein Bildnis Zar Peters des Großen zu Pferde. Die „Berliner geschriebene Zeitung“ meldete: „Der berühmte Maler Pehn ist auch von hier auf ordre zu mehrgedachten Havelberg gewesen und hat den Czaar schildern müssen, wiewohl daselbst nur das Gesicht gemachet, hier (in Berlin - M. Sch.) aber zur perfection, und zwar zu Pferde und in dem habit, worin er bey der Pultawischen action 1709 gewesen,[38]  gebracht werden soll. Man will sagen, daß solches Stück vor den König destiniret ((lat., franz.), bestimmen, ausersehen)und der Czaar nur eine Copey verlangen, dagegen der König sein Portrait auch durch diesen habilen Künstler machen laßen und den Czaar damit regaliren wird.“[39] Der 1958 erschienene Katalog der Werke des Hofmalers Antoine Pesne ((*29. Mai 1683 in Paris; † 5. August 1757 in Berlin) war seit dem Jahr 1711 Hofmaler in Preußen und seit 1722 Direktor der Berliner Kunstakademie.) registriert dieses Gemälde unter der Nr. 247 („Der Zar zu Pferde / letzteres von Paul Carl Leygebe ((*1664 in Nürnberg; † 1756) Von 1699 bis 1756 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, Berlin. Von 1715 bis 1755 Lehrer, Professor der Anatomie.) gemalt" als verschollen.[40]  Am 7. Dezember 1716 besuchte König Friedrich Wilhelm I. den Künstler in seinem Hause, „ deßen Arbeit an Sr. Czaarischen Majestät portrait ... zu besehe.“[41]
Ortgies berichtet über die Gaben Peters I. am Ende des Besuches in Havelberg: „Es scyn sonsten keine Geschencke viel zu Havelberg von Deroselben ausgetheilet, nur daß der Königlichen Küche 26 Ducaten und einem Domherren von Stillen eine Zobel ohne Schwantz gegeben." Zobelfelle wurden von der einheimischen Bevölkerung in Sibirien als Steuer (jasak) eingetrieben und galten als beliebte Gastgeschenke der russischen Herrscher. Der Havelberger Kanonikus Georg Christian von Stille war seit 1708 zugleich Landrat im Prignitzer Kreis. Er verstarb ein Jahr später, am 25. November 1717, in Berlin.[42] Ortgies vermerkt: „ ... dennoch haben Se. Czaarische Majestät selbst mündlich vielen das compliment gemacht, daß sie nicht solten vergeßen bleiben und entweder von Altona oder bey der retour, wenn Sie aus Holland anhero kämen, bedacht werden, denn Sie jetzo wie Sie es wünschten nicht damit versehen wären."[43]
Zum einen geht aus diesem Bericht hervor, daß der Zar sehr rasch weiterreiste und sich nicht mit einem ausreichenden Vorrat an Geschenken eingedeckt hatte. Das ist auch von anderen Orten bezeugt, die er bei seinen Reisen berührte. Zum anderen aber muß der Besuch in Havelberg doch einen nachhaltigen Eindruck bei dem Herrscher hinterlassen haben. Der Zar sei, so berichtete Ortgies, „zu Waßer auf einem mit einem Camin optirten (für jmdn. od. einen Staat - sich für jmdn. od. einen bestimmten Staat u. die entsprechende Staatsangehörigkeit entscheiden [< lat. optare »wählen, wünschen«]) Schiffe nach Altona abgegangen.[44]
Auf seiner Rückreise aus Frankreich im Jahre 1717, der letzten Auslandsreise Peters l., fuhr der Zar auf dem kürzesten Wege über Magdeburg, Brandenburg und Potsdam nach Berlin und in sein Reich, ohne der Stadt Havelberg noch einmal einen Besuch abgestattet zu haben.
Eine Anregung des Treffens von Havelberg im Jahre 1716 war schließlich die Einrichtung einer brandenburgischen Handelskompanie für Rußland. Von 1724 bis 1738 sollten sich dann in der Kurmark Brandenburg und in der Neumark (die heute zu Polen gehört) fleißige Hände an den Webstühlen in den Dörfern und kleinen Städten regen. Es wurden Tuche für die russische Armee gewebt, die billiger waren als englische Stoffe. Damit wirkten erstmals „Russenaufträge" eigener Art belebend auf die Wirtschart in Preußen.[45]

Gastgeschenke - das Bernsteinzimmer, die Staatsyacht und „Lange Kerls"

Peter I. erhielt das später berühmt gewordene Bernsteinzimmer[46], das sich zuvor in der dritten Etage des Berliner Stadtschlosses befunden hatte dem Zaren bei seinen Besuchen 1712 und 1713 aufgefallen war, als Gastgeschenk. Neun Jahre hatten der Danziger Künstler G. Tousseau und der Bernsteinmeister Schacht daran gearbeitet. Es ist heute angesichts des unschätzbaren materiellen Wertes des Kabinetts unfaßbar, daß 1716 von nur 30.000 Talern an Kosten berichtet wird.[47]
Ein weiteres Geschenk des Preußenkönigs, das den begeisterten Seefahrer Peter i. besonders erfreute und unter Umständen von ihm noch mehr geschätzt wurde als das Bernsteinzimmer („Se. Czaarischen Majestät ist beydes, sonderlich das erste, sehr angenehm gewesen“[48]) war die 1704 in den Niederlanden von dem Baumeister Maddersteg gebaute Yacht „Die Krone“·. Sie kostete den Preußenkönig mehr als 100 000 Reichstaler (also offenbar mehr als das Dreifache des Bernsteinzimmers!), hatte zuerst in Berlin in der Nähe des Lustgartens festgemacht und diente dann in Potsdam, auf der Havel in der Nähe des Stadtschlosses ankernd, zeitweise dem „Tabakskollegium“· des Königs als Sitzungsort[49].
Der Schiffer Jänicke erhielt den Auftrag, das dem Zaren geschenkte Schiff, auf dem das Bernsteinkabinett verpack war, nach Hamburg zu bringen. Am 16. April 1717 passierte es Rathenow. Im Mai 1717 wurde es in Hamburg dem russischen Residenten Böttiger übergeben. Nach einer langen Fahrt über Glückstadt und Kopenhagen kam die Fracht im Mai 1719 in St. Petersburg wohlbehalten an. Das Bernsteinkabinett befand sich zunächst im Winterpalais des Zaren in der Stadt, seit 1755 in Carskoe Selo (heute Stadt Puškin) im Süden von St. Petersburg, wo es während des zweiten Weltkrieges den deutschen Truppen in die Hände fallen sollte.
Aus Havelberg sandte Peter I. einen Befehl an seinen Senat in St. Petersburg, daß „große Bauern als Grenadiere auszuwählen seien, die einen Wuchs aufweisen, der aus den beiliegenden Maßen ersichtlich ist; deshalb schreibt an die Gouverneure, daß sie aus den Gouvernements solche, wenn es möglich ist, bis zu 200 Leute auswählen."[50] Die Älteren unter ihnen sollten nicht über 50. Jahre alt sein - ein Zeichen dafür, daß Peter I. dem „Soldatenkönig'' wirklich nur mit einer besonderen Körpergröße der Soldaten entgegenkommen wollte! Insgesamt gelangten in den darauffolgenden Jahren 248 Soldaten in das Riesenregiment des Preußenkönigs. In den Jahren 1714 bis 1718 waren es 215, zehn im Jahre 1720 und 23 im Jahr 1724. 1714 waren bereits 80 russische Grenadiere als „Geschenk" Peters zum Machtantritt Friedrich Wilhelms I. in Potsdam erschienen, von denen 12 in das Ri cscnregime11t übernommen wurden. Einmal, 1723, fand eine Auswechslung von 95 Mann statt.[51] Die meisten der geschenkten Soldaten sahen aber ihre Heimat nicht wieder. „Menschengeschenke" der Herrscher waren zu jener Zeit nichts Ungewöhnliches. Friedrich Wilhelm I. ließ dem Polenkönig August II. Porzellanvasen, die sogenannten „Dragonervasen", überreichen und erhielt dafür sächsische Reiter. Am 14. Januar 1741 berichtete die Potsdamer Zeitung „Potsdamische Quintessenz" über die russischen Soldaten: „… es folgten innerhalb wenig Jahren so viele derselben. daß sie hernach fast den dritten Theil des Königl. Regiments ausmachten".[52] Diese Angabe scheint freilich übertrieben zu sein, wenn man annimmt, daß das Potsdamer Grenadier-Regiment aus drei Bataillonen zu je 800 Mann bestand. . Unter den lebensgroßen Grenadierbildnissen, die Friedrich Wilhelm I. für das Potsdamer Schloß in Auftrag gab und an denen er auch selbst als Maler mitwirkte, war das eines „Schwerid Redivanoff aus Moscow" verzeichnet.[53]
Besuchern Potsdams wird heute die russische Siedlung „Alexandrovka“ als besondere Sehenswürdigkeit gezeigt. Ihre Gründung geht allerdings nicht unmittelbar auf die von Peter I. dem „Soldatenkönig" geschenkten „Langen Kerls" zurück. Der Gottesdienst für die ersten russischen Soldaten war zunächst vom Geistlichen der Russischen Gesandtschaft in Berlin in einem der Potsdamer Rathaussäle abgehalten worden. 1733 ließ Friedrich Wilhelm I. hinter dem Exerzierhaus am Kanal eine hölzerne, mit Fachwerk ausgemauerte Kirche ohne Turm und Glocken für die Russen errichten. Von 1746 bis 1762 fand aber kein, 1763 bis 1765 jährlich nur ein griechisch-orthodoxer Gottesdienst in Potsdam statt. Von den noch etwa 20 Gemeindemitgliedern am Ausgang des 18. Jahrhunderts war im Jahre 1805 nur ein Invalide, Nachkomme der ersten russischen Grenadiere, übriggeblieben. Während der antinapoleonischen Feldzüge 1813 wurde in der preußischen Armee ein „Russischer Sänger-Chor" gegründet, das zur Erheiterung der Soldaten mit russischen Nationalliedern, mit Tamburin, kleinen Glöckchen und Triangel auftrat. Für diese russischen Sänger wurde dann unter Leitung des Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné (1789 - 1866) die Anlage „Alexandrovka“ mit Holzhäusern und eine griechisch-orthodoxe Kirche auf eiern Kapellenberg errichtet.[54]
Das „Theatrum Europäum" faßte die Ergebnisse des Treffens von Havelberg im November 1716 so zusammen: „es sey ein ziemlich gutes Verständnis zwischen beyden Potentaten, und könne der Czaar mit Preussen unter andern Nordischen Alliierten am beßten stimmen, so weit nehmlich jeder seinen Nutzen darbey zu finden meinte"[55] . Während der Generalgouverneur von St. Petersburg, der analphabetische Haudegen A. D. Menšikov, in einem Schreiben an den Zaren vom 10. Dezember 1716 die Ergebnisse des Treffens überschwenglich feierte, formulierte Peter selbst, vorsichtig genug, in einem Brief an seine Frau Katharina Aleckseevna (1684 - 1727), eine ehemalige Magd aus Livland, die in Schwerin geblieben war: „Naš priezd sjudy ne darum, no s nekotoroju pol´zoju“ (Unsere Reise hierher war nicht zwecklos, sondern von einigem Nutzen).[56]
Während die schwer durchschaubaren diplomatischen Hintergründe der Verhandlungen in einer Zeit, in der die Bündnisse zwischen den Mächten außerordentlich schnell wechselten, immer mehr in Vergessenheit geraten, wird die Gestalt Peters den Einwohnern und Besuchern Havelbergs sicher so in Erinnerung bleiben:
Ein überaus groß gewachsener, dunkelhaariger Mann in einfacher Kleidung, mit bloßem Haar und Oberlippenbärtchen, durchstreift zu Fuß die Gasen. Er betrachtet hier und da etwas, das an die Zeit erinnert, da in Havelberg seetüchtige Schiffe gebaut wurden, riecht Teer und Fischlake. Der Zar aller Reussen, der lieber der einfache Matrose Peter Michajlov war, kehrt bei Bürgern ein, um sich einen Krug Bier und das Gericht „Knappe Tieden“ schmecken zu lassen.

[1]     Zu den Hintergründen des Havelberger Treffens vgl. ausführlich: M. Schippan: Havelberg als Schauplatz europäischer Diplomatie im November 1716 - Zum Besuch Zar Peters I. von Rußland in der Stadt; Ders.: „Knappe Tieden". Ein Nachtrag. In : Zwischen Havel und Elbe. Heimatheft des Kreises Havelberg 8 ( 1988), S. 30- 38; 9 (1989). S. 20- 22, 94- 95; 11 ( 1991 ), S. 19- 21: eine Artikelserie von H. Stertz in der „Havelberger Volksstimme" von11 Dezember 1996.

[2]     Der Herrscher sei während seines Aufenthaltes in Havelberg in das Haus des Bürgermeisters geladen worden. Dessen Frau geriet in große Verlegenheit, weil sie wegen des herrschenden Mangels - „knappe Tieden" - kein Fleischgericht auftreiben konnte. Eine Fischsuppe aus AIländern, einer recht gewöhnlichen Sorte, mundete dem Zaren jedoch so, daß er nach dem Namen des Gerichts fragte. Die Hausfrau habe entschuldigend gemeint: „Nehmen S' verleew, Herr Kaiser, sinn knappe Tieden!" Der Zar dachte, daß „ Knappetieden" der Name der Suppe gewesen sei, die er fortan rühmte. Vgl. A. Hoppe: Knappe Tieden. In: Unsere Heimat (Prignitzhefte) ( 1955). H. 8, S. 233- 236; E. Steiner: Wo Havel und Elbe zusammenfließen. Sagen aus dem Kreis Havelberg, Havelberg 1988.

[3]     Vgl. M.P. Alekseev: Slovari inostrannych jazykov v russkom azbukovnike XVII veka. Issledovanie, teksty i kommentarii | Wörterlisten von Fremdsprachen in der russischen Fibel des 17. Jahrhunderts. Untersuchung, Texte und Kommentare|, Leningrad 1968, S. 150: E.E. Biržakova: lz istorii russko-inojazyčnoj leksikografii XVIII v. „Russko-gollandskij leksikon" Jakova Brjusa | Aus der Geschichte der russisch-fremdsprachlichen Lexikographie des 18. Jh. Das „Russisch-holländische Lexikon" von Jakov Vilimovi Bruce (1670-1735) l. In: Slovari i slovarnoe delo v Rossii XVIII v., Leningrad 1980. S. 23- 37.

[4]     A. Zoellner: Chronik der Stadt Havelberg, Rathenow 1893, S. 410 f. E. Steiner: Sklavenschiffe aus Havelberg. In: Zwischen Havel und Elbe. Heimatheft des Kreises Havelberg 4 ( 1984), S. 47.

[5]     Vgl. das zeitgenössische “Tagebuch zur russischen Geschichte 1682-1717“ eines unbekannten, prorussisch und prosächsischen eingestellten Autors. Sächsische Landesbibliothek Dresden, Handschriftenabteilung, Msc. 126, BI. 22- 22 v. Der Verfasser wird diese Handschrift 1998 herausgeben.

[6]     Über Peter I. und seine Reformen liegt eine nahezu unübersehbare Literatur vor. Eine neuere Übersicht biete E. Donnert: Peter (I.) der Große. In: Die russischen Zaren 1547- 1917. Hrsg. von H.-J. Torke, München 1994, S. 155 - 178; die Forschungsberichte und Quellenübersichten in: Handbuch der Geschichte Rußlands. Bd. 2: Vom Randstaat zur Hegemonialmacht. Hrsg. von K. Zernack, I. Halbband, Stuttgart 1986. Die bisher unübertroffene deutschsprachige Biographie Peters I.: R. Wittram: Peter der Große Czar und Kaiser. 2 Bde., Göttingen 1964.

[7]     Eine neue Sicht auf Peter bei E. V. Anisimov: Vremja petrovskich reform [Die Zeit der petrinischen Reformen(die zusammenfassende Bezeichnung für die Reformen in verschiedenen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens im Zarentum Russland bzw. Russischen Kaiserreich unter Peter I.)], Leningrad 1989. Das Buch erschien auf dem Höhepunkt der „Perestrojka", als in Moskau der erste Volkskongreß mit frei gewählten Deputierten tagte und die ersten Tabus in der Geschichtsbetrachtung gebrochen wurden.

[8]     Vgl. A.N. Meduševskij: Utverždenie absoljutizma v Rossii. Sravnitel' noe istoričeskoe issledovanie [Die Errichtung des Absolutismus in Rußland. Vergleichend -historische Untersuchung]. München 1994.

[9]     Vgl. A. Kapeller: Kleine Geschichte der Ukraine, München 1994, S. 13 f., 89- 9 1.

[10]    Vgl. V. Buganow: Peter der Große. Persönlichkeit und Epoche, Köln 1989. Populär geschrieben und eher schon der historischen Belletristik zuzuordnen sind: H. Troyat: Peter der Große, Düsseldorf 1981 (und weitere Ausgaben); R. K. Massie: Peter der Große. Sein Leben und seine Zeit, Königstein/Ts. 1982 (diente als Grundlage für eine amerikanische Verfilmung, die zwar spannend, jedoch nicht unbedingt wahrheitsgetreu war).

[11]    Vgl. seine gründliche, auf archivalische Quellenmaterial beruhende Monographie: E.Y. Anisimov: Gosudarst vennye preobrazovanija i samoderžavie Petra Velikogo v pervoj četverti XVIII veka [Die staatlichen Umwandlungen und die Selbstherrschaft Peter des Großen im ersten Viertel des 18. .Jahrhunderts], St. Petersburg 1997.

[12]    Vgl. M. Schippan: Die Einrichtung der Kollegien in Rußland zur Zeit Peters I. (= Forschungen zur osteuropäischen Geschichte, Bd. 51), Wiesbaden 1996.

[13]    G. Helmen: Das Staatsversändnis im petrinischen Rußland, Berlin 1996. die traditionelle westeuropäische Wertvorstellungen als Maßstab anlegt, glaubt, daß sich Peter I. von einer „Staatstheorie" leiten ließ. Eine solche kann man bei dem mehr praktisch veranlagten Zaren aber nicht voraussetzen.

[14]    M. Schulze Wessel: Rußlands Blick auf Preußen. Die polnische Frage in der Diplomatie und der politischen Öffentlichkeit des Zarenreiches und des Sowjetstaates 1697 - 1947, Stuttgart 1995, S. 47.

[15]    Vgl. W. Mediger: Mecklenburg, Rußland und England-Hannover 1706 - 1721. Ein Beitrag zur Geschichte des Nordischen Krieges. Bd. 1- 2, Hildesheim 1967.

[16]    Vgl. P. Wick: Versuche zur Errichtung des Absolutismus in Mecklenburg. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Territorialabsolutismus. Berlin 1964.

[17]    Im Jahre 1716 errang der kaiserliche Feldherr Prinz Eugen von Savoyen (1613 - 1736) jedoch bei Peterwardein einen entscheidenden Sieg über die Türken, dem 1717 noch ein Erfolg in der Schlacht vor Belgrad folgte.

[18]    Vgl. 1. Haxlund: When Tsar Peter changed his mind - A momentuos incedent in the Northern War. In: Scando-Slavica. T 43 (1997), S. 5- 17.

[19]    Vgl. S.A. Fejgina: Alandskij kongress. Vnešnjaja politika Rossii v konce Severnoj vojny [Der Kongress auf den Åland-lnseln. Die Außenpolitik Rußlands am Ende des Nordischen Krieges], Moskva 1959; L A. Nikiforov: Vnešnjaja politika Rossii v poslednie gody Severnoj vojny. Ništadskij mir [Die Außenpolitik Rußlands in den letzten Jahren des Nordischen Krieges. Der Frieden von Nystad], Moskva 1959.

[20]    Von N. N. Molčanov, Autor einer der erwähnten „ panegyrischen" Darstellungen (Diplomatija Petra I. [Die Diplomatie Peters I.], Moskva 199 1) wird „Gevel‘berg" au f S. 344 sogar in die „westdeutschen Besitzungen" Preußens verlegt. Ein Blick auf die Karte ließ ihm wahrscheinlich die Stadt Gevelsberg in Westfalen als Ort der Begegnung erscheinen.

[21]    Berliner geschriebene Zeitungen aus den Jahren 1713 bis 1717 und 1735. Ein Beitrag zur Preußischen Geschichte unter König Friedrich Wilhelm I. Hrsg. von E. Friedländer (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft XXXVIll ). Berlin 1902 (im folgenden: Berliner geschriebene Zeitungen), S. 572.

[22]    Vgl. P. Wick: Versuche:, S. 1 02.

[23]    Theatrum Europäum . XXI. Theil, Franckfurth am Main 1738, S. 479.

[24]    Berliner geschriebene Zeitungen, S. 575.

[25]    Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden. Flemmings Korrespondenz. Loc. 695. Vol. CXLIX, Bd. 2, BI. 10 v. - 11.

[26]    Th. v. Seydewitz: Ernst Christoph Graf von Manteuffel. Kabinettsminister Augusts des Stark en. Persönlichkeit und Wirken, Dresden 1926, S. 42.

[27]    Der letzte Band dieses „Jahrhundertwerks" erschien 1992. und es nicht absehbar, wann die Edition fortgesetzt wird. Pis' ma i bumagi irnperatora Petra Velikogo. T. I - Xlll/I, Moskva-St. Percrsburg 1887- 1992.

[28]    B. v. Köhne: Berlin, Mos kau, St. Petersburg. 1649 bis 1763. Ein Beitrag zur Geschichte der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Brandenburg-Preußen und Rußland. In: Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt Berlin, Heft XX), Berlin 1882. S. 1- 172: M. Schippan: Zar Peter I. in Kurbrandenburg. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 44 (1996), S. 19-43.

[29]    Berliner geschriebene Zeitungen, S. 572 L, 575 f., 58 1 f.

[30]    Berliner geschriebene Zeitungen, S. 575.

[31]    Vgl. S. Lentz: Diplomatische Stifts-Historie von Havelberg, Halle 1750. S. 90, 98.

[32]    Vgl. die „Entwürfe der zu Havelberg am den Zaren übergebenen Declaration König Friedrich Wilhelms I. 1716 Nov.“ Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem (GstA PK), I. HA Rep. 11 - 171/75 Rußland. Nr. 23 j, BI. 1- 6. Der Text der Konvention: F.F. Martens: Recueil des traités et conventions, conclus par la Russie avec les puissances étrangères, St. Petersbourg 1880, T. V. S. 154 ff.; Polnoe Sobranie Zakonov Rossijskoj lmperii. Serija I, T. V [Vollständige Gesetzessammlung des Russischen Imperiums. Serie I, Bd. V] künftig zitiert: PSZ). St. Petersburg 1830, Nr. 3049, S. 480 f.

[33]    Über die polenpolitische Bedeutung der russisch-preußischen Verständigung von 1716 vgl. K. Zernack: Nordosteuropa. Lüneburg 1993: ders.: Polen und Rußland. Zwei Wege in der europäischen Geschichte. Berlin 1994.

[34]    Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 11 – 171/175 Rußland, Nr. 26 A, BI. 9 1.

[35]    Vgl. V. Loewe: Preußen Staatsverträge aus der Regierungszeit König Friedrich Wilhelm I. , Leipzig 1913, S. 199.

[36]    Diese und die folgenden Aussagen in : Berliner geschriebene Zeitungen, S. 581.

[37]    „Von den Zusammenkünften zwischen dem Russischen Kayer Peter dem I.ten und den Königen von Preußen Friedrich Wilhelm dem I.ten und Friedrich Wilhelm aus Archivalischen und anderen glaubwürdigen Nachrichten von J.D. Kluge, Geh, Archivarius“. GStA PK, I. HA Rep. 11 – 171/75, Rußland, Nr. 97 B (die französische Fassung Bl. 4- 22; die deutsche Fassung BI. 23-33 v.); über das Treffen von Havelberg BI. 32 v. - 33.

[38]    Das heißt, in der Uniform, die der Zar am Tag der Schlacht von Poltava in der Ukraine (27. Juni / 8. Juli 1709) trug, als die Schweden Karls XII, scheidend geschlagen wurden.

[39]    Berliner geschriebene Zeitungen. S. 581.

[40]    Vgl. Antoine Pesne. Mit Beitrügen von E. Berckhagen. P. de Colombier. M. Kühn, G. Poensgen, Berlin 1958, S. 166, 224. Vermutlich hat es zwei Exemplare des Gemäldes gegeben: „Eines ist durch F. Nicolai 1786 im Berliner Schloß nachweisbar ( B 247 a). Vom Aussehen des anderen, nach Rußland gelangten (B 247 c), geben zwei Gobelins aus der Petersburger Manufaktur eine Vorstellung ... " Antoine Pesne 1683 - 1757. Ausstellung zum 300. Geburtstag, Potsdam-Sanssouci 1983, S. 9.

[41]    Berliner geschriebene Zeitungen, S. 584.

[42]    Vgl. J. Schultze: Die Prignitz. Aus der Geschichte einer märkischen Landschaft , Köln-Graz 1956, S. 251. Der Historiker Lentz teil mit, daß Stille i111 Jahre 1701 Domherr geworden sei: Vgl. S. Lentz: Diplomatische Stifts-Historie, S. 108.

[43]    Berliner geschriebene Zeitungen, S. 582.

[44]    Ebenda, S. 58 1.

[45]    Vgl. G. Schmoller: Die russische Companie in Berlin 1724-1738. Ein Beitrag zur Geschichte der brandenburgischen Tuchindustrie und des preußischen Exports im 18. .J ahrhundert. In: Ders.: Umrisse und Untersuchungen zur Verfassungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte, Leipzig 1898, S. 457- 529. Zunächst gehörten zu der Companie 10 Berliner Firmen, an ihrer Spitze „Splitgerber & Daum“. Vgl. H. Rachel: Berliner Großkaufleute und Kapitalisten. Zweiter Bd.: Die Zeit des Merkantilismus ((vom französischen mercantile ‚kaufmännisch‘, lat. mercator ‚Kaufmann‘) bezeichnet die Wirtschaftspolitik und Wirtschaftstheorie des absolutistischen Staates in der Epoche des Frühkapitalismus.) 1648- 1805. Neu hrsg., ergänzt und bibliographisch erweitert von J. Schultze / H.C. Walisch / G. Heinrich, Berlin 1967, S. 225 f. (die Darstellung Rachels enthält im übrigen auch antisemitische Ausfälle).

[46]    Bei der mehr als fünfzig Jahre anhaltenden Suche nach dem Bernsteinzimmer ist durch die Beschlagnahmung eines vermutlichen echten Fragments durch die deutschen Staatsorgane im Frühjahr 1997 eine neue Lage entstanden, nachdem die politische Dimension dieser Frage durch die Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Rußland um den Verbleib der während des zweiten Weltkrieges verschleppten Kunstschätze bereits eine neue Qualität erhalten hatte. Vgl. P. Enke: Bernsteinzimmer-Report, Berlin 1987 (Recherchen eines Offiziers der Staatssicherheit der DDR); G. Wermusch: Bernsteinzimmer-Saga, Berlin 1992; jetzt D.B. Reimann: Bernsteinzimmer-Komplott. Die Enttarnung eines Mythos, Berlin-Fürstenwalde 1997 (ein Privatdetektiv vermutet, daß Angehörige des Widerstandes gegen Hitler aus monarchistischen Kreisen so wie der Abwehr das Bernsteinzimmer in einem Bergwerksstollen im Erzgebirge verbargen). Trotz aller Teilerfolge bei der Suche nach dem, “achten Weltwunder“ ist ein echter Durchbruch noch nicht erreicht.

[47]    Vgl. Berliner geschriebene Zeitungen, S 582.

[48]    Ebenda.

[49]    Vgl. H. Bohrdt: Lustjachten der Hohenzollern. In: Hohenzollern-Jahrbuch III (1899), S. 163 ff.

[50]    PSZ. Serie I, Bd.V, Nr. 3050, S. 481.

[51]    Vgl. M. Pucillo: Russkie velikany v Prusskoj službe [Russische Riesen im preußischen Dienst]. In: Sbornik Moskovskogo glavnogo archiva ministerstva inostrannych de] [Sammelschrift des Moskauer Hauptarchivs des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten] (1880), S. 147- 176: vgl. B. v. Köhne. S. 58 f., 62 f. (geschönte Darstellung).

[52]    Zit. in H. Seligo: Die „Potsdamische Quintessenz“. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams 3 (1867), S. 313.

[53]    Zi1. in B. v. Puttkamer: König Friedrich Wilhelm I. als Beförderer und Dilettant der edlen Malerkunst. In : Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams 2 (1866 ), S. 49.

[54]    Vgl. M. Schippan: Zu den Potsdamer Rußlandbeziehungen (18. bis erste Hälfte des 19. Jahrhunderts). In: Potsdam . Märkische Kleinstadt - europäische Residenz. Reminiszenzen einer eintausend jährigen Geschichte. Hrsg. von P.-M. Hahn / K. Hübener / J. H. Schoeps (= Potsdamer Historische Studien, I), Berlin 1995, S. 115- 127.

[55]    Theatrum Europaeum. Th. XXI, S. 479.

[56]    S. A. Fejgina: Alandskij kongress. S. 109.